Rifkin’s Festival (2020)

Mit «Rifkin’s Festival» bleibt sich Woody Allen treu. Auch sein neunundvierzigster Film dreht sich um Liebe, Sehnsucht und Reue. Einzig das Staraufgebot fehlt. Dennoch liefert der Autorenfilmer genau das, was Fans von ihm erwarten.

Im Mittelpunkt steht der pensionierte US-Filmdozent Mort Rifkin (Wallace Shawn). Der begleitet mehr oder weniger freiwillig seine Frau Sue (Gina Gershon) zu einem Filmfestival nach Spanien, wo diese sich um die Pressearbeit des gefeierten Jungregisseurs Philippe (Louis Garrel) kümmern muss. 

Während Sue weit über ihre beruflichen Verpflichtungen hinaus Zeit mit dem gut aussehenden Philippe verbringt, muss Mort wegen eines Stechens in der Brust eine lokale Ärztin aufzusuchen. Schnell wird daraus mehr als eine einfache Arzt-Patient-Beziehung.

Premiere während der Pandemie

«Rifkin’s Festival» entstand unter schwierigen Umständen. Filmstudio Amazon löste den Fünfjahresvertrag mit Allen auf, nachdem neue Details zu Missbrauchsvorwürfen von 1992 in die Öffentlichkeit gelangt waren. Darauf übernahm die spanische Mediapro die Produktion. Und Premiere feierte der Film im Herbst 2020, mitten in der Pandemie. Erst mehr als ein Jahr später wurde die Komödie erstmals in Kinos in Europa und den USA aufgeführt.

Sue (Gina Gershon) und der Jungregisseur Philippe (Louis Garrel)

Fans des US-Filmemachers dürften mit dem Resultat zufrieden sein. Im Zentrum steht eine typische Allen-Figur: intellektuell und hochnäsig – und doch voller Selbstzweifel. Auch die anderen Markenzeichen sind da: Der fröhlich-lockere Jazz-Soundtrack und eine schöne, europäische Kulisse. Anderthalb Stunden liefert «Rifkin’s Festival» leichte Unterhaltung mit hohem Tempo und trockenem Humor.

Dabei zollt Allen seinen Vorbildern Tribut. Hauptfigur Mort taucht immer wieder in seine eigene Traumwelt ab, wo sich Kino und Realität vermischen. Allen interpretiert dabei Szenen aus Meisterwerken von Ingmar Bergman, Jean-Luc Godard oder Orson Welles neu. Filmliebhaber fühlen sich umgehend gut aufgehoben. Allen geht so weit, dass die Dialoge teils in der Originalsprache des zitierten Werks geführt werden. Dann verwandelt sich «Rifkin’s Festival» plötzlich in «Persona».

Wobei der Film mit seinen klassischen Vorbildern nicht mithalten kann. Woody Allen gehört unbestritten zu den wichtigen US-Regisseuren seiner Generation, doch «Rifkin’s Festival» ist nicht sein «Citizen Kane». Vielmehr liefert er eine kleine Komödie für Filmfans, die aber nicht lange hängen bleibt.

«Rifkin’s Festival» hat wenig Starpower

Das liegt auch am Cast. Da sich die grossen Namen von Allen abgewendet haben, arbeitet er hier mit hauptsächlich wenig bekannten Darstellern zusammen. Diese liefern ein routiniertes und wenig erinnernswertes Schauspiel ab. Dass Allen eine Woche vor Zeitplan den Dreh abgeschlossen hat, überrascht daher nicht.

Das eigentliche Problem liegt aber darin, dass die beiden Hauptdarsteller nicht zusammen funktionieren. Zwischen Shawn und Gershon stimmt die Chemie nicht – und nicht nur des grossen Altersunterschieds wegen. Das festgefahrene Paar, das sie eigentlich sind, bringen sie nur sporadisch glaubwürdig rüber.

Wer die letzten Werke von Woody Allen mag, kann sich getrost «Rifkin’s Festival» ansehen. Ein paar Witze Richtung Mainstream-Kino, bissige Selbstironie und ein paar bittersüsse Momente dürften Fans zusagen. Alle anderen Kinogänger verpassen wenig, wenn sie auch den jüngsten Allen-Film ignorieren. Denn gute Alternativen gibt es genügend.

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